Das Krankheitsbild aus Sicht der Chinesischen Medizin (TCM)

Rückenschmerzen

Diagnose und Therapie

Von den Knochen und Gelenken zur Muskulatur

Fehlstellungen und "Verschleiß" von Knochen und Gelenken lassen sich nach bloß mechanischen Modellen nicht zureichend erklären. Sie können durch fehlerhafte Spannungszustände von Muskeln hervorgerufen oder verstärkt werden. Und in solchen Zuständen verkörpert sich psychisches Befinden. Über die Muskeln ist die Psyche an das Skelett gebunden. Jeder kennt den Kreuzschmerz bei seelischer Überlastung, jeder die Nackenverspannungen bei Leistungsdruck usw. So ergibt sich der eine Pol, der der Psychomotorik. Es kommt unter ungünstigen Bedingungen zur Dystonie, einem unguten Nebeneinander von überspannten und erschlafften Bereichen der Muskulatur. Die therapeutischen Anstrengungen zielen ab auf Eutonie, einen ausgewogenen, als wohltuend empfundenen Spannungszustand der Muskeln. Akupunktur kann hier helfen, wie auch die zahllosen guten körpertherapeutischen Verfahren. In der Klinik am Steigerwald werden neben Akupunktur und Moxibustion (Punkterwärmung mittels Moxa-Kraut) folgende Verfahren angewandt: Shiatsu, Tuina-Massage, Psychotonik nach Glaser, Cranio-Sacral-Therapie, Fußreflexzonenmassage u.a.
Den anderen Pol stellt der Muskelstoffwechsel dar. Vom psychischen Faktor ist jetzt nichts mehr zu sehen, nur noch die fixierte Fehlhaltung - der Muskelhartspann, die Myogelose - beherrschen das Feld. Zirkulationsstörung und Verschlackung treten hinzu. Entzündungen greifen dort an. Schmerz und damit wiederum Verspannung sind das Ergebnis. Der Griff nach Schmerz- und Entzündungsblockern, nach Injektionen usw. verspricht Abhilfe, die trügerisch ist. Denn Entzündungen ruhig zu stellen nimmt zwar den Schmerz, löst aber meist das Problem nicht.

Verschlackung: die Säfte

Fragt man, wie es zu Gelenkverschleiß etwa oder zur Berst-Neigung von Bandscheibenkapseln kommt, ist auch an die Beschaffenheit des Gewebes zu denken. Sie ist in hohem Maß abhängig von der Zirkulation und der Qualität der "Säfte", also der von Blut, Lymphe und intrazellulärem Milieu. Nur bei einwandfreier Versorgung und Entsorgung von Muskeln und Bindegewebe kann das Gewebe seine Festigkeit, Elastizität und Anpassungsfähigkeit erhalten. Die schöne Wirkung von Fastenkuren bei Rückenkrankheiten zeigt, wie wichtig diese Dimension ist. Hilfreich sind denn auch, gerade im akuten Fall, äußere ausleitende Verfahren wie das Schröpfen oder das Ansetzen von Blutegeln.
An dieser Stelle beginnt der Eingriff mit chinesischen Arzneirezepturen. Über die Behandlung des Bauchs, nicht des Rückens, wird dem Lumbalsyndrom begegnet. Die Regulierung der Darmfunktionen wird zum Schlüssel der Therapie. Schmerzen im Bereich von Beckenregion und Beinen, Missempfindungen, Schweregefühl sind aus Sicht der chinesischen Medizin das Resultat nicht richtig zu Ende geführter Ausscheidungsprozesse. Das Gleiche trifft auf Beschwerden an Kopf und Nacken zu. Massive Bestätigung findet das Konzept durch den Erfolg der Therapie von hormonabhängigen Rückenbeschwerden der Frauen. Die Wiedereinregulierung der hormonellen Rhythmik kann bei Rückenleiden Wunder wirken. Hormonpräparate sind kontraindiziert.

Entzündung: die Heteropathie

Auch die Entzündung muss man in einem viel weiteren Horizont sehen. Erfahrungsgemäß tritt zum Beispiel ein Schnupfen und eine Lumbalgie, oder ein Husten und eine Gelenkentzündung in einem zeitlichen Zusammenhang auf. Der Diagnostiker kann aus einem solchen Zusammenhang wichtige Hinweise entnehmen. Er verfährt dabei nach dem rund zweitausend Jahre alten Konzept der Heteropathie. Dessen Kernaussage ist: Nicht abgeschlossene Entzündungsprozesse bleiben als verborgener Antrieb im Körper und überlagern Steuervorgänge unseres Immunsystems. Ein nicht ausgeheilter, chronisch schwelender Schnupfen zum Beispiel kann Entzündungsprozesse im Bereich der Lendenwirbel hervorrufen und unterhalten. Nach dem Konzept der Heteropathie nun zu verfahren, nötigt zu geduldiger therapeutischer Arbeit mit den Mitteln der chinesischen Arzneitherapie. Es gilt, Schritt um Schritt zum Herd vorzudringen und die nicht zu Ende geführten Infekte aufzuspüren und wieder aufleben zu lassen. Das Therapieziel ist erreicht, wenn nach einem üppigen produktiven Schnupfen die Kreuzschmerzen gänzlich verschwunden sind.
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